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Das Leben ist ein Mysterium

21. Okt.
2 Min. Lesezeit

Wer die Welt religiös oder spirituell betrachtet, sieht das Leben vermutlich als wundervoll, außergewöhnlich und bedeutsam. Demgegenüber steht die wissenschaftliche Betrachtung, von der manche vermutlich denken, sie mache das Leben nüchterner, trockener und weniger besonders.


Diese Einteilung erscheint mir nicht stimmig. Ich sehe, dass das Leben unabhängig davon, wie man es betrachtet, ein Mysterium ist. Und das ist es, weil uns so vieles darin unbekannt ist und wir so vieles darin nicht verstehen. Ich denke, wir wissen nur einen Bruchteil dessen, was es über dieses Universum zu wissen gäbe.


Religion und Spiritualität sind in diesem Kontext Versuche, Antworten auf das zu geben, was im Moment nicht beantwortet werden kann – oder früher nicht beantwortet werden konnte. Diese Antworten machen das Leben nicht geheimnisvoller und nicht fantastischer. Die Geheimnisse liegen im Leben selbst, in all den Bereichen, die wir nicht oder noch nicht erfassen können. Hier können wir staunen und forschen und darüber spekulieren, welche Antworten es noch geben könnte.


Das ist Offenheit gegenüber dem Ungeklärten. Jede Religion und jede Spiritualität, die definitive Antworten geben will, reduziert diese Offenheit. Sie füllt den unbekannten Raum und macht ihn meines Erachtens dadurch enger. Das mag manchen ein Gefühl von Sicherheit geben und die Illusion von Klarheit, aber es sind nur Geschichten, die erzählt werden. Es sind keine Erkenntnisse, es ist keine Wahrheit.


Ich denke, dass das Leben gerade dann spannend und faszinierend ist, wenn wir offen bleiben. Wenn wir in ungeklärten Bereichen weder sagen, etwas könne nicht sein, noch sagen, etwas sei so, können wir bei der Frage bleiben, wie es sein könnte und so tatsächlichen Erkenntnisgewinn ermöglichen. Geschichten können Fakten nicht ersetzen. Demnach sollten wir den Raum, in dem es keine ausreichenden Fakten gibt, unbestimmt lassen.


Dabei halte ich es nicht für falsch, bestimmte Vorstellungen ansprechend zu finden und sich zu wünschen, sie würden sich irgendwann als wahr herausstellen. Es ist nur wichtig zu wissen, dass es nur Vorstellungen sind und offen zu bleiben für andere Möglichkeiten. Wenn ich über das Ungeklärte spekuliere, fühlen sich manche meiner Ideen auch stimmiger für mich an als andere. Mir ist aber stets bewusst, dass ich nicht wissen kann, was wahr ist und dass alle meine Vorstellungen auf einer begrenzten Sichtweise beruhen.


Mit dem Nicht-Wissen zu leben, das ist es, was das Leben als Mysterium ausmacht. Wir leben auf einem Planeten, der Teil eines Sonnensystems ist, welches Teil einer Galaxie ist, die sich inmitten einem Universum voller Galaxien befindet. Dabei ist das Universum entweder unendlich oder es gibt etwas außerhalb davon. Beides ist kaum zu begreifen. Dieses Leben ist voller Unwissen – im Kleinen, hier auf unserem Planeten – und im Großen, in der Weite des Universums. Ist das nicht faszinierend?



Der Horsehead Nebel vor einem Sternenfeld


Foto: arnaud girault, Unsplash

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