top of page

Der Mut, den wir nicht sehen

  • 1. Juli
  • 2 Min. Lesezeit

Ich bemerke immer wieder, dass Mut damit verbunden wird, dass eine Person etwas objektiv gesehen Herausforderndes oder Abenteuerliches tut. Aber Mut zeigt sich nicht an äußeren Taten, sondern an innerer Überwindung. Mut ist subjektiv und bedeutet, etwas trotz Angst oder größerer Unsicherheit zu tun.

Es ist also gut möglich, dass eine Person nach außen hin mutig wirkt, weil sie etwas Besonderes tut, während sie dafür keinen oder kaum Mut benötigt. Gleichzeitig kann etwas, das gewöhnlich erscheint, von großem Mut zeugen – nämlich dann, wenn die Person sich dafür ihrer Angst stellen musste. Ängste können nicht nur da existieren, wo es um große und abenteuerliche Taten geht, sie können sich in allen Lebensbereichen zeigen und mitunter Dinge betreffen, die andere Menschen überhaupt nicht mit Angst verbinden würden.

Wir alle, also auch ich, sind wahrscheinlich oft blind für den Mut der Menschen, denn wir wissen meist nicht, was in deren Inneren vorgeht, welchen Herausforderungen sie sich stellen müssen und was sie Kraft kostet. Und jeder Mensch wird gemäß seiner eigenen Erfahrungen eine Vorstellung davon haben, was Mut erfordert. Dabei werden wir vieles außer Acht lassen.

Kleine blau‑violette Blüten wachsen zwischen braunen, trockenen Blättern und grünem Gras am Boden.

Ich denke, es ist wichtig sich bewusst zu machen, wie oft wir den Mut anderer Menschen nicht sehen können und wie oft Menschen im Inneren viel Kraft aufbringen für etwas, das als selbstverständlich angesehen wird. Was macht es mit Menschen, immer wieder mit Angst und Unsicherheit konfrontiert zu werden, ohne dass ihr Mut gesehen und anerkannt wird?

Ich wünsche mir, dass wir offen dafür sind, dass Menschen Kraft und Mut aufbringen müssen, da, wo wir es persönlich nicht nachvollziehen können. Wenn uns eine Person anvertraut, was ihr schwer fällt, dann sollten wir das ernst nehmen und die damit verbundene Anstrengung anerkennen. Und auch wenn wir oft gar nicht wissen, wie es im Inneren einer Person aussieht, so kann uns bewusst sein, dass immer wieder Menschen stark und mutig sind und dass wir umgeben sind von Größe, die sich im Außen nicht zeigt und doch existent ist. Lasst uns Taten weniger daran bemessen, wie sie nach außen hin aussehen und mehr daran, was sie für die Person bedeuten, die sie ausführt. Ein kleiner Schritt für einen Menschen kann ein großer für einen anderen sein. Wir müssen nicht alle gleich sein, uns muss nicht allen das Gleiche leicht oder schwer fallen. Aber wir können uns alle individuell entwickeln und uns gegenseitig in dieser Entwicklung respektieren.



Fotos/Bilder: Maren Zellmer

bottom of page